KJ Den Haag – innovative, nachhaltige Gebäudegestaltung mit Beton von Dyckerhoff Basal
Neues Gebäude bildet „Tor“ zur politisch und historisch bedeutsamen niederländischen Metropole – mit CO2-reduzierten Betonen von Dyckerhoff Basal
KJ Den Haag ist ein Gebäude im grünen Herzen der Stadt, das aus einer neuen Empfangshalle für den renovierten Hauptbahnhof mit verschiedenen Gewerbeeinheiten auf 1.200 m², darüber liegenden Wohnungen sowie zwei direkt angeschlossenen, markanten je ca. 90 m hohen Wohntürmen besteht.
Für das Design zeichnen die Architekten von Powerhouse Company verantwortlich, die das Bauwerk so entworfen haben, dass es sich optimal in seine Nachbarschaft einfügt. So orientieren sich die gekerbten, geradlinigen Säulen, die Teil der Leichtbetonfassade der zwei Wohntürme sind, am formalen Klassizismus der Den Haager Verwaltungsarchitektur. Dazu wiederum bildet die dynamische Bahnhofshalle im Erdgeschoss mit ihrer geschwungenen Holzdecke und den großen, gebogenen Glasflächen einen deutlichen Kontrast. Sie bildet sozusagen das Tal zwischen den beiden Türmen. Die geschwungenen Elemente der Halle, die an Dünen erinnern, spiegeln sich in der abgestuften U-förmigen Silhouette des zentralen Talbereichs wider. Auch der ehemals traurig anmutende Königin-Juliana-Platz vor dem neuen Komplex soll unter der Regie der Fachleute von DELVA Landscape Architecture zu einem gefühlvollen grünen Raum mit Dünenbepflanzung werden, der eine Verbindung zum sich anschließenden Park „De Koekamp“ bietet. Das Grün des Parks wird in den Dachgärten und begrünten Terrassen von KJ Den Haag wieder aufgegriffen.
Die Projektphase startete 2015, die Bauarbeiten Ende 2023 und zum Jahresende 2025 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Als Projektentwickler arbeiten die niederländischen Unternehmen Synchroon aus Utrecht, und Amvest aus Amsterdam, als Konsortium unter dem Namen „KJ-Plein“ zusammen. Die Tragkonstruktionen haben IMd Raadgevende Ingenieurs (Beratende Ingenieure) entworfen und die Bauausführung obliegt der in Gouda ansässigen Firma J.P. van Eesteren. Mit dem Bau entstehen nicht nur Räume für Gastronomie und Geschäfte, sondern auch knapp 400 Wohneinheiten.
Neben insgesamt ca. 17.000 m³ stahlbewehrtem Beton kommen auch Holz für das geschwungene Dach der Bahnhofs-Eingangshalle sowie Glas, Beton und Aluminium für die Fassade zum Einsatz. Den Ortbeton liefert Dyckerhoff Basal aus dem Werk Den Haag. Dyckerhoff Basal gehört als Tochterunternehmen der Dyckerhoff GmbH zur italienischen Buzzi Gruppe.
Das Projekt KJ Den Haag ist nicht nur hinsichtlich seiner Architektur anspruchsvoll, sondern auch in Bezug auf die Betontechnologie. Gefordert wurden Betone in den unterschiedlichsten Festigkeitsklassen und Konsistenzen bei gleichzeitig möglichst niedrigen baustoffbedingten CO2-Emissionen und einer optimalen Nutzung der verfügbaren Rohstoffe.

Modell – Betonrezepturen in verschiedenen Festigkeiten (Grafik: J.P. van Eesteren)
Als Zement wurde hauptsächlich der CEM III/B 42,5 N-LH/SR aus Neuss verwendet. Zur weiteren Reduzierung der CO2-Emissionen erfolgte der Festigkeitsnachweis bei den höherfesten Betonen erst im Alter von 56 Tagen. Dadurch konnte das Nacherhärtungspotential des Hochofenzementes ausgenutzt und der Zementgehalt im Beton reduziert werden. Bei Betonen in der Konsistenzklasse F5 wurde der Mehlkornanteil für eine bessere Fließfähigkeit durch Zugabe von Kalksteinmehl anstatt Zement erhöht.
Bei allen Betonen wurde ein Teil der natürlichen Gesteinskörnung durch RC-Körnung ersetzt, was zur Schonung primärer Ressourcen beiträgt. Auch Optimierungen bei den Bauprozessen verbessern den ökologischen Fußabdruck des Bauwerks, z.B. die Ausführung von Wänden und Decken in unterschiedlicher Dicke. Außerdem wurde insbesondere in der Höhe (Penthäuser) mit alternativen, leichteren Bewehrungen wie der Basaltbewehrung gearbeitet.
Absolutes Neuland war die Verwendung eines Experimentalbetons mit Biokohle. Diese entsteht im sogenannten Pyrolyseverfahren aus pflanzlicher Biomasse, wie beispielsweise Holzresten, Gehölzschnitt oder landwirtschaftlichen Abfällen. Dabei handelt es sich um einen Prozess, bei dem Biomasse unter Sauerstoffausschluss bei Temperaturen zwischen 400°C und 800°C zu einer kohlenstoffreichen, porösen Substanz verkohlt wird. Das bei diesem Verfahren gleichzeitig entstehende Synthesegas und das Pyrolyseöl können beispielsweise zur Wärmegewinnung genutzt werden. Biokohle wird vielfältig verwendet, insbesondere in der Landwirtschaft und zur Wasseraufbereitung. Aufgrund ihrer Eigenschaft zur langfristigen Speicherung von CO2 rückt sie auch im Bereich der Baustoffe immer mehr ins Interesse der Öffentlichkeit.
Erprobt wurde hier die Verwendung der Biokohle als Zusatzstoff im Beton. Derzeit ist noch in Diskussion, ob das in der Biokohle gebundene CO2 grundsätzlich zur Verringerung des CO2-Fußabdrucks des Betons angerechnet werden kann.
Da diese Anwendung absolutes Neuland darstellte, gingen dem Bau umfangreiche Testreihen im Betonlabor der Dyckerhoff Basal voraus, um die optimalen Rezepturen für den Einbau des innovativen Betons zu ermitteln. Er wurde für die Errichtung der Penthäuser in den Wohntürmen verwendet. Die geforderte Festigkeit und Erhärtungsdauer konnten beim Einsatz von Biokohle gewährleistet werden.
Ebenfalls relevant war eine gute Verarbeitbarkeit. Die dunkle Farbe des frisch ausgeschalten Betons mit Biokohle nimmt nach einigen Tagen bei Trocknung der Betonoberflächen wieder ab (siehe Bilder 6 und 7 der Slideshow).
Insgesamt wurden 90 m³ dieses experimentellen Betons eingebaut. Die einzelnen Betonagen wurden intensiv vom Betonlabor der Dyckerhoff Basal begleitet, um eine gleichbleibende, hohe Qualität zu gewährleisten.
Der neue Komplex ist gut von überall erreichbar. Ganztägig ist eine Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel des Nah- und Fernverkehrs sowie Taxis gewährleistet. Mit dem Auto erreicht man schnell die Utrechtsebaan, den Zubringer zur Autobahn A12. Unter dem neuen Gebäudekomplex befindet sich jedoch keine Tiefgarage für PKW, sondern mit ca. 8.000 Stellplätzen und moderner Ausstattung eines der größten Fahrradparkhäuser Europas. Vom KJ Den Haag sind es nur wenige Minuten zu Fuß bis zum historischen Zentrum der Stadt, zum Kirmes- und Veranstaltungsgelände „Malieveld“ oder dem Haager Wald (Haagse Bos).
Wie ernst die Rolle der Stadt, in der täglich viele Nationalitäten aufeinandertreffen, als Sitz verschiedener Gerichte und Institutionen zum Schutz des Menschen und seiner Rechte genommen wird, zeigt sich auch daran, dass an der Holzdecke der Eingangshalle für jeden sichtbar die Erklärung der Menschenrechte abgebildet sein wird.
Fotos: Titel – Visualisierung/Powerhouse Company; 1, 2, 5 bis 8 – Dyckerhoff Basal; 3, 4, 9,10 – J.P. van Eesteren
Für weitere Informationen steht zur Verfügung:
Iris Weise-Rosch, Tel.: +49 611 676-1187
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