Kreuz
17.August2026

Dyckerhoff NANODUR® für das Kreuz der Sagrada Família

UHPC-Technologie für die Spitze der höchsten Kirche der Welt

Nur wenige Bauwerke sind weltweit so bekannt wie die Sagrada Família in Barcelona (vollständig: Basílica i Temple Expiatori de la Sagrada Família). Das Bauwerk gilt seit mehr als 140 Jahren als eines der außergewöhnlichsten Architekturprojekte der Welt. Mit der Fertigstellung des Jesus-Christus-Turms erreicht die von Antoni Gaudí geprägte Basilika nun eine Höhe von 172,5 m und ist damit die höchste Kirche der Welt. Am 10. Juni 2026 wurde der Turm feierlich eingeweiht und von Papst Leo XIV. gesegnet – genau 100 Jahre nach dem Tod Antoni Gaudís, der 1883 die Bauleitung der bereits im Vorjahr begonnenen Sagrada Família übernahm und ihren Entwurf anschließend grundlegend neu prägte.

Mit dem Dyckerhoff NANODUR® Compound 5941 leistete auch Dyckerhoff einen Beitrag zu diesem architektonischen Jahrhundertprojekt. Als Bindemittelvormischung für den Ultrahochleistungsbeton (UHPC) des Spitzenkreuzes des Torre de Jesucrist kam das Material bei einem der markantesten Bauteile der Sagrada Família zum Einsatz. Das rund 17 m hohe und 13,5 m breite Kreuz bildet den Abschluss des Kirchturms und ist seit dem 20. Februar 2026 vollendet. NANODUR Compound 5914 ist speziell für den Einsatz im Fertigteilbau entwickelt worden. Bei den Zuschlägen wurde Splitt durch Quarzsand mit Rundkorn ersetzt, um eine bessere Verarbeitbarkeit und eine optimierte UHPC-Rezeptur mit 150–165 N/mm² Druckfestigkeit zu erreichen.

Den Auftrag für das Spitzenkreuz erhielt die Josef Gartner GmbH aus Gundelfingen in Bayern. Für die Umsetzung wurde die Firma Sudholt-Wasemann GmbH aus Herzebrock-Clarholz als technischer Partner eingebunden. Sudholt-Wasemann war für die Fertigung des gesamten Formenbaus, die Einbringung aller Fliesen und die Außenhülle des Kreuzes aus Ultrahochleistungsbeton (UHPC – Ultra High Performance Concrete) verantwortlich.

Das Bauwerk besteht aus einem zentralen Verbindungskern mit vier Querarmen, die jeweils knapp 13 t wiegen. Es ist im Inneren begehbar und erreicht ein Gesamtgewicht von rund 110 t. Eine besondere Herausforderung stellte die außergewöhnliche Geometrie mit ihren doppelt gekrümmten Flächen dar. Hierfür wurde aus Leimholz, Holzmehrschichtplatten und Hartschaumplatten eine hochkomplexe Holzschalung mit Matrizen hergestellt, in die rund 12.000 handgefertigte Fliesen in acht verschiedenen Weißtönen nach einem vorgegebenen Muster eingesetzt und für die spätere Betonage fixiert wurden. Die Fliesen wurden von Ceramica Cumella aus Barcelona gefertigt.

Die Duplex-Stahlkonstruktion mit ihren maßgefertigten Bauteilen wurde durch die auf Fassadenkonstruktionen spezialisierte Josef Gartner GmbH erstellt. Die Innenschalung bestand aus 12 mm starkem Biegesperrholz und darauf befestigten 4 mm Sichtbetonplatten. Aufgrund der komplexen Geometrie musste jedes einzelne Feld individuell zwischen den Stahlstreben angepasst werden. Die Befestigung der Innenschalung erfolgte mittels Holzklammern am Stahlrahmen, sodass die Schalungsplatten verschraubt werden konnten. In jedem Feld befand sich an der höchsten Stelle eine Öffnung mit Rohrstutzen für den späteren Betoniervorgang einer 5 cm dicken UHPC-Schicht.

Eine Herausforderung stellte die hochpräzise Montage der doppelt gekrümmten Schalung dar. Die Umsetzung erforderte die exakte Justierung der freitragenden Stahlkonstruktion sowie eine kraftschlüssige Endverspannung bei Toleranzen von weniger als einem Zentimeter. Gleichzeitig musste ein stützenfreier und begehbarer Innenraum realisiert werden, was hohe Anforderungen an Konstruktion und Statik stellte. Für jede Ecke des Kreuzes wurde eine individuelle Schalung gefertigt. Nach dem Einlegen der Fliesen und der Montage der Stahlkonstruktion erfolgte die Betonage des UHPC über die vorgesehenen Rohrstutzen. Dadurch entstand die äußere UHPC-Schale des Kreuzes, während die Duplex-Stahlkonstruktion den tragenden Mittelkern bildet. Eine Besonderheit des Fertigungsprozesses bestand darin, dass die Fliesen direkt in den UHPC einbetoniert wurden und nicht – wie üblich – mittels Fliesenkleber befestigt sind. Für die Innenverkleidung des Kreuzes wurde Naturstein aus Katalonien verwendet.

Die Betonage erfolgte aufgrund der eingeschränkten Zugänglichkeit ausschließlich in Handarbeit. Ultrahochleistungsbetone auf Basis von NANODUR® Compound 5941 sind selbstverdichtend und daher perfekt für komplexe Geometrien geeignet. Der UHPC wurde über die vorgesehenen Rohrstutzen mit Eimern eingebracht. Mehrmals täglich wurden Chargen von jeweils 25 l in einem Zwangsmischer vor Ort hergestellt, um jederzeit frischen Beton verarbeiten zu können. Die tägliche Produktionsmenge lag zwischen 250 und 400 l. Insgesamt wurden für das Projekt rund 20 m³ Beton verarbeitet.

Nach dem Aushärten erfolgte das Ausschalen. Dabei musste besonders vorsichtig vorgegangen werden, um die Fliesenoberflächen beschädigungsfrei zu erhalten und eine Wiederverwendung der Hartschaumelemente zu ermöglichen. Anschließend wurden die Fliesenflächen gereinigt und mit Fugenmörtel in zwei Lagen neu verfugt, um ein gleichmäßiges und harmonisches Erscheinungsbild zu erzielen.

Nach Abschluss der Fertigung wurden die einzelnen Kreuzsegmente per genehmigungsintensivem Schwertransport von Herzebrock-Clarholz in Nordrhein-Westfalen nach Barcelona transportiert. Aufgrund von Breitenbeschränkungen in Frankreich waren Anpassungen der Transportroute erforderlich. Teile der Strecke wurden deshalb über Antwerpen und anschließend per Fähre nach Spanien zurückgelegt.

Die Vormontage auf dem Kirchendach in Barcelona erfolgte durch die Josef Gartner GmbH in rund 54 m Höhe. Die Bauteile wurden zusammengefügt und in mehr als 170 m Höhe befestigt.

Mit dem fertigen Kreuz erreicht die Sagrada Família die von Antoni Gaudí geplante Endhöhe von 172,5 m. Diese Höhe wurde bewusst so gewählt, dass das Bauwerk den nahegelegenen Hügel Montjuïc nicht überragt. Gaudí vertrat die Auffassung, dass kein von Menschen geschaffenes Bauwerk höher sein sollte als die Schöpfung Gottes. Die von ihm entworfene Geburtsfassade sowie die Krypta der Basilika gehören bereits seit 2005 als Teile der Welterbestätte „Werke von Antoni Gaudí“ zum UNESCO-Welterbe.

Mit der Vollendung des Kreuzes und des Jesus-Christus-Turms ist ein weiterer bedeutender Meilenstein in der Geschichte der Sagrada Família erreicht. Die vollständige Fertigstellung des Gesamtbauwerks ist derzeit für das Jahr 2036 vorgesehen. Schon heute zieht die Basilika jährlich fünf Millionen Besucher aus aller Welt an und begeistert als einzigartiges Zusammenspiel von Architektur, Ingenieurskunst und Handwerk.

Bilder: Sudholt-Wasemann

Für weitere Informationen steht zur Verfügung:
Isabel Derstroff, Tel.: +49 611 676-3173
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