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Betonkanu-Regatta 2022: „Uffgeblähte Wickelwalnuss“ gewinnt Konstruktionspreis
01 juli 2022

Betonkanu-Regatta 2022: „Uffgeblähte Wickelwalnuss“ gewinnt Konstruktionspreis

Bei der Veranstaltung auf dem Beetzsee in Brandenburg unterstützte Dyckerhoff wieder Studenten beim Bau von Betonkanus mit innovativen Bindemitteln und technischem Know-how.

Die Betonkanu-Regatta, die in diesem Jahr bereits zum 18. Mal stattfand, ist eine Mischung aus Beton- und Bootsbautechnik sowie sportlichem Wettkampf. Prämiert werden dabei nicht nur die sportlichen Höchstleistungen, sondern auch Kreativität bei der Gestaltung der Boote. Die Teilnehmer kommen aus berufsbildenden Schulen, Fachhochschulen, Hochschulen und anderen Einrichtungen, an denen Betontechnik gelehrt wird. In diesem Jahr waren es rund 80 Teams aus 30 Institutionen.

Dyckerhoff ist bereits seit der ersten Betonkanu-Regatta im Jahre 1986 mit seinen innovativen Entwicklungen bei Zement und Beton dabei. Auch bei der diesjährigen Veranstaltung, die im Juni 2022 bei sommerlichen Temperaturen auf dem Beetzsee in Brandenburg an der Havel stattfand, waren es erneut mehrere Hochschul-Teams, die von Dyckerhoff mit Material und Know-how erfolgreich unterstützt wurden.

Konstruktion von Studierenden der Frankfurt UAS überzeugt Jury
Besonders erfolgreich waren in diesem Jahr die Studierenden des Studiengangs Bauingenieurwesen der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS). Mit einem ihrer Betonkanus, der „Uffgeblähten Wickelwalnuss“, sicherten sie sich den ersten Platz in der Kategorie „Konstruktion“. Betreut wurde das Studienprojekt von Prof. Dr.-Ing. Petra Rucker-Gramm, Professorin für Baustoffe, Bauphysik, Bauwerkserhaltung und Ressourcenoptimiertes Bauen an der Frankfurt UAS, gemeinsam mit Prof. Dr.-Ing. Michael Horstmann, Professor für Massivbau und Konstruktiver Ingenieurbau. Die Studierenden entwarfen für das Kanu zunächst ein CAD-Modell und konstruierten anschließend zwei baugleiche, rund 5,5 Meter lange Schalungen aus einem dünnen, biegsamen Sperrholz. Parallel entwickelten die angehenden Bauingenieurinnen und -ingenieure einen Beton, der sowohl leicht und nachhaltig als auch wasserundurchlässig und fest ist. Hierfür setzten sie nicht nur anstelle eines CEM I-Zements einen CEM III-Zement von Dyckerhoff ein, sondern arbeiteten sie auch mit einer Gesteinskörnung, die aus Altglas recycelt wurde und somit eine leichte, ressourcenschonende Alternative zu anderen Gesteinskörnungen darstellt. Der Beton wurde mit Textilien aus Glas verstärkt. Die Herstellung des Kanus erfolgte schließlich durch das überlappende Aufwickeln von Textilbetonbahnen – ähnlich wie bei einem Gipsverband. Dafür haben die Studierenden eine Methode gefunden, mit welcher der Beton möglichst dünn um die Schalung gewickelt werden kann. Sie umwickelten die beiden ineinander gesteckten, zuvor in Folie geschlagenen Schalungen mit der eigens hierfür entwickelten Betonmischung. Während einige der Studierenden stets neuen Beton anmischten, arbeiteten andere an der „Produktionsstraße“, um den Beton gleichmäßig auf das Textil aufzutragen. Direkt im Anschluss wurde der Beton-Textil-Verbund auf der drehbaren Schalung aufgewickelt. Nach einer kurzen Trockenphase von nur wenigen Tagen durchtrennten die Studierenden diese „Walnuss“ und lösten die beiden nun entstandenen Kanus von ihrer Schalung. Ein Konstruktionsprinzip, welches letztendlich auch die Jury überzeugte.

Hochschule Darmstadt mit zwei „mythologischen“ Booten
Mit zwei originellen Booten präsentierte sich das von Prof. Dr. Albrecht Gilka-Bötzow betreute studentische Team von der Hochschule Darmstadt – auch wenn es in diesem Jahr nicht ganz aufs Siegertreppchen reichte. Beide Boote weisen dennoch viele interessante (beton)technischen Details auf. Die Namen „Pegasus“ und „Hades“ wurden dabei in Anlehnung an den Film Herkules und die darin vorkommenden Figuren aus der griechischen Mythologie gewählt. Das Kanu „Pegasus“ kommt hell und freundlich daher. Es ist weiß und hat einen Pferdekopf mit blauer Mähne. Die Augen können dank einer entsprechenden Gesteinskörnung sogar leuchten. Das andere, dunkle Kanu mit Namen „Hades“ ähnelt mit seiner schwarzen Laterne ein wenig einer venezianischen Gondel. Es kann dank des Einsatzes von phosphoreszierendem Glas ebenfalls im Dunkeln leuchten, so dass es aussieht wie der Nachthimmel der Unterwelt. Beide Boote wurden auf Basis von Dyckerhoff Weisszement CEM I 42,5 R hergestellt. Auch das gewünschte Farbkonzept der beiden Boote ließ sich am besten mit Weisszement realisieren. Um möglichst filigrane und zugleich robuste Kanus zu bauen, wurden im Labor aufwändige Test durchgeführt, bis eine Leichtbetonmischung zustande kam, die sich für den Bau eignete. Besonders wichtig war den Studierenden auch ein niedriger Wasserzementwert, damit der Beton möglichst fest ist. Er wurde wie eine Spachtelmasse aufgetragen; eine dünne Bewehrung aus Glasfaser gibt zusätzlich Stabilität. Am Ende waren die Wände des Kanus nur etwa 6 Millimeter dünn. Zugleich hatte das Darmstädter Team nachhaltige Aspekte im Blick: So wurde für „Pegasus“ die Holzschalung aus wiederverwendetem Holz gefertigt. Und anstelle von Epoxidharz, welches Holz zum Sondermüll macht, kamen Kautschukmassen zum Einsatz, die bei der Formgebung des Kanus unterstützen und sich recyceln lassen.    

Leichtestes Boot aus Dresden
Über besonders spektakuläre Details verfügten auch die von den Studierenden der Technischen Universität Dresden konstruierten Boote. So wurde das Kanu „Die Erleuchtung“ ganz in schwarzem Beton auf Basis Dyckerhoff WEISS hergestellt. Die Dunkelheit wurde von einer am Bug installierten, massiven Betonglühbirne durchbrochen, da man diese tatsächlich mit Hilfe eines Schalters erleuchten konnte. Die nach eigenen Angaben „wohl massivste Glühbirne der Welt“ konnte über ein Betongewinde in die Betonfassung am Bug eingeschraubt werden. Mit Hilfe von 3D-Druck konnten die komplizierten Geometrien von der Glühbirne und der Fassung realisiert werden. Hundert, durch eine LED angesteuerte, Lichtfasern erhellten dabei die Oberfläche der Birne. Das zweite Kanu, der „Schmetterlingsbuntbarsch“, präsentierte sich dagegen besonders farbenfroh. Die Schalung des Schuppenkleids wurde aufwendig mit Hilfe von ausrangierten, geviertelten Vinylschallplatten hergestellt. Um die acht Farben zeitgleich und zügig in die Schalung einzubringen war eine große Anzahl von Helfern für die dreistündige Betonage nötig. Der „Schmetterlingsbuntbarsch“ war zudem mit 27 kg auf 4,63 m Länge das leichteste, in Brandenburg anwesende Boot und wurde hierfür mit dem ersten Preis in der Kategorie „Leichtestes Kanu“ ausgezeichnet.

Nachwuchspreis für die Fachhochschule Kiel
Erstmals auf der Betonkanu-Regatta mit dabei waren die Studierenden von der Fachholschule Kiel, die als die „Kieler Matrosen“ antraten. Mit dem Bootsnamen „(S)print“ wollten sie zum Ausdruck bringen, dass das Boot zum einem schnell sein sollte, zum andern aber auch, dass die Schalung im modernen 3D-Druckverfahren hergestellt wurde. Durch das innovative Druckverfahren konnte eine besonders schnittige Form des Kanus realisiert werden, wobei die Schalung der Boote jeweils in zwei Hälften gedruckt wurde. Der Beton basiert auf dem Weisszement Dyckerhoff WEISS STRONG N. Als Gesteinskörnungen kamen Waschbims und Quarzsand zum Einsatz. Es wurde eine Betonfestigkeit C50/60 angestrebt. Ein Basaltfaser-Gelege, welches in hoch beanspruchten Bereichen zweilagig eingebaut wurde, diente als Bewehrung. Die beiden Kanuhälften wurden spiegelsymmetrisch betoniert. Nach dem Ausschalen wurden die Bootshälften an den betonierten Spiegeln durch Schrauben und Epoxidharz monolithisch verbunden. Auch wenn es mit dem „Sprinten“ auf dem Wasser nicht so richtig funktioniert hat, das Herstellverfahren überzeugte, so dass die Jury die „Kieler Matrosen“ mit dem Nachwuchspreis auszeichnete.

Fotos: Titel, 1, 3 – Frankfurt UAS; 2 – IZB/Sascha Steinbach

Dyckerhoff GmbH, Produktmarketing

Für weitere Informationen steht zur Verfügung: 

Iris Weise-Rosch, Tel.: +49 611 676-1187
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